Zeugnis von Roland Patzleiner
Ich heiße Roland Patzleiner und gehöre
der Gebetsgemeinschaft „Figli del divino amore“ (Kinder der göttlichen Liebe)
an. Seit einigen Jahren lebe ich in unserem Haus in Medjugorje und kümmere mich
zusammen mit den anderen Angehörigen unserer Gemeinschaft um die musikalische
Umrahmung der Gottesdienste in der Pfarrei des Hl. Jakob. Ich wurde 1968 in
Bozen (Südtirol) geboren. Meine Familie ist deutscher Muttersprache, unsere
Kultur österreichisch. Ich bin in einem katholischen Umfeld und in einer
gläubigen Familie aufgewachsen. Ab der fünften Grundschule war ich neun Jahre
lang als Ministrant in meiner Pfarrei tätig.
In der Schule habe ich mich stets ein wenig
schwer getan und war auch nicht sonderlich fleißig. Ich war eher introvertiert.
In meiner Familie fehlte der Dialog und es wurde nicht gebetet, außer vor den
Mahlzeiten. Als Heranwachsender habe ich, auch durch gewisse Freundschaften beeinflusst,
mit 13 Jahren zu rauchen und zu trinken begonnen.
Bei einer Geburtstagsfeier erlebte ich
erstmals die Wirkung eines Alkoholexzesses, wobei die plötzliche Freude und
Offenheit, die mich erfüllten, zu etwas Erstrebenswertem wurden, um den Dingen
zu entfliehen, die ich nicht bewältigen wollte und die mit Opfern und Leid
verbunden waren, welche notwendig sind, um wachsen zu können.
Nach der Mittelschule hörte ich mit dem
Ministrieren auf und entfernte mich von der Kirche. Mein Zuhause wurde zu einer
Art Hotel, das ich nur aufsuchte, um zu essen und zu schlafen, während meine
Freunde auf der Straße zu meiner eigentlichen Familie wurden. Meine innere Instabilität
und Zerbrechlichkeit äußerten sich zusehends im Unvermögen, etwas Gutes und
Sinnvolles zu tun. Zu Alkohol und Tabak
gesellten sich recht bald leichte Drogen; später ging ich zu allerlei Arten von
schweren Drogen über, hatte jedoch die Gnade, mir diese nie zu spritzen.
Ich habe drei verschiedene Oberschulen
begonnen, brachte es jedoch nie fertig, auch nur ein einziges Jahr
abzuschließen. Schließlich habe ich die Schule aufgegeben und bin arbeiten
gegangen. Doch auch dieser Lebensabschnitt war von Unbeständigkeit geprägt,
sodass ich es an keinem Arbeitsplatz länger als sieben Monate aushielt. Zwischen
14 und 21 Jahren habe ich auf diese Art und Weise gelebt und war durch eine große
innere Unsicherheit und Zerbrechlichkeit geprägt. Die Musik war für mich von
herausragender Bedeutung. Als Kind hatte ich das Gitarrespielen gelernt. Ich
spielte dann in verschiedenen Bands und war ein Fan großer Idole der Rockmusik
und des Heavy Metals. Zu Hause ärgerte ich mich wegen jeder Kleinigkeit mit
meinen Eltern und spürte ein ums andere Mal einen inneren Hass und eine Rebellion,
sodass ich mich oft Tür knallend ins Wohnzimmer zurückzog und einsperrte, wo
ich dann lautstark die Musik meiner damaligen Lieblingsgruppe hörte, den Krokus,
einer Schweizer Heavy-Metal-Band, die im ganzen Haus zu hören war und alle
störte. Ich spürte dann, wie in mir rebellische Gefühle aufkeimten und wuchsen.
Ich habe den Namen dieser Band (meine Idole) angeführt, weil ich mich noch gut
erinnere, dass deren Gitarrist sich später das Leben nahm. Dies waren für mich
damals nachahmenswerte Persönlichkeiten, für die ich Sympathie empfand, obwohl
ich sie gar nicht persönlich kannte.
Für mich galt es als erstrebenswert,
ein berühmter Gitarrist zu werden und mit Drogen und Alkohol meine inneren
Bedürfnisse zu stillen. Dies war meine Lebensperspektive. Wie viele Stunden habe
ich nicht an unserem Treffpunkt der „Bank“ verbracht, wo wir aufeinander
warteten, um gemeinsam Drogen zu nehmen und dann in die Stadt zu gehen, um
etwas zu unternehmen. So wuchs ich in meiner Verschlossenheit und verzerrten
Welt auf, ohne Beziehungen aufzubauen und den Sinn des Lebens zu begreifen. Das
weibliche Geschlecht war lediglich Objekt der Begierde und ich wusste nicht,
was echte Liebe ist. Die Freunde, mit denen ich Umgang pflegte, betrieben
Spiritismus und wenngleich ich mich nicht daran beteiligt habe, war auch ich
darin gefangen und verstrickt.
Die Drogen schwächten meinen Willen.
Ich wusste nicht genau, was ich eigentlich wollte, es interessierte mich nur, meine
momentanen Bedürfnisse zu stillen, damit es mir gut ging, damit ich ruhig blieb.
Eines Tages wollte mich ein Freund dem Hexenmeister der Stadt vorstellen, der
mit Übernamen „Giftzahn“ hieß, aber Gott sei Dank bin ich ihm nie begegnet. Ich
kann mich noch an einige Begebenheiten erinnern, insbesondere, wenn ich unter
dem Einfluss von Drogen stand, wie etwa Folgende: Eines Abends ging ich durch
eine dunkle und enge Gasse, die sich in der Nähe der Wohnung eines Freundes
befand. Ich war ziemlich high. Plötzlich, und ich bekomme jetzt noch die
Gänsehaut, wenn ich daran denke, ging an mir ein großer, schlanker, mit einem
schwarzen Frack und einem Hut bekleideter Mann mit Stock vorbei. Ich konnte
sein Gesicht nicht erkennen; dann sah ich ihn langsam in Luft auflòsen und
verschwinden. Ich stand wie versteinert da.
Erst Jahre später, nach meiner
Bekehrung, habe ich den Sinn dieser Erfahrung verstanden: mit dem Leben, das
ich damals führte, wandelte Satan an meiner Seite.
Dank der verschiedenen Erfahrungen mit
dem Bösen wollte der Böse mich in die endgültige Flucht treiben: den
Selbstmord. Auch wenn ich darüber nachdachte, für mich hatte das Leben keinen
Sinn.
Bestärkt wurde ich in diesem Vorhaben
durch mein ständiges Fliehen vor der Realität, jeglichen Anstrengungen und
Leiden sowie von den Botschaften, die mir durch die bösen Geister über die satanische
Musik eingeflüstert wurden: Es blieb mir nichts anderes übrig, als die
endgültige Flucht.
Dies war also die Absicht, die langsam
in mir heranreifte; ich war mir selbst, Gott, meiner Familie und der Realität
fern.
In jenen Jahren hatten meine Eltern
begonnen, einen deutschsprachigen charismatischen Gebetskreis aufzusuchen und
waren bereits einmal nach Medjugorje gefahren. Zusammen mit anderen beteten sie
intensiv für mich. Als meine Mutter nach Medjugorje kam, spürte sie, dass sie
es unbedingt schaffen musste, mich dorthin zu bringen. Sie hatte ihre ganze
Hoffnung auf die Gottesmutter gesetzt.
Marisa Baldessari aus Bozen
organisierte jeden Monat einen Bus nach Medjugorje und meine Mutter wiederholte
immer wieder: „Roland, schau, in Medjugorje erscheint die Gottesmutter, fahr
doch hin!“ Und ich antwortete: „Ja, ja…!“ Es interessierte mich überhaupt
nicht. Doch eines Tages gelang es meiner Mutter mit der Unterstützung von
Marisa, mich zu einer Fahrt nach Medjugorje zu bewegen. Sie hatten derart lang
darauf bestanden, dass das wenige Gute in mir sich nicht mehr widersetzen
konnte, nicht zuletzt weil sie sagten, dass die Fahrt kostenlos war.
Also willigte ich ein, auch, um meine
Mutter zufrieden zu stellen. Ich erinnere mich, dass ich weder in die Kirche,
noch auf den Erscheinungsberg oder den Krizevac ging. Alles, was mich damals im
Jahr 1987 interessierte, war der Tabak den die Landbewohner damals noch
verarbeiteten.
Wieder zu Hause angekommen, führte ich
mein übliches Leben weiter. Meine Situation verschlechterte sich zusehends,
sodass ich innerlich zu mir sagte: „Wenn sich nicht binnen kurzer Zeit etwas
ändert, dann setze ich meinem Leben ein Ende“. Zehn Tage später war ich in
Medjugorje.
Bei meiner Ankunft befreite mich die
Gottesmutter von der Drogensucht und den anderen Süchten und ich begann, mich
am Pilgerleben zu beteiligen. In Medjugorje fühlte ich mich zu Hause. Als ich
auf dem Erscheinungsberg war, auf dem Krizevac, in der Kirche, als ich den
Wegen entlang durch die Felder spazierte, überall spürte ich einen großen
Frieden und eine tiefe Liebe, die mich umfing. Ich fühlte mich angenommen und
geliebt.
Von Anfang an war ich von Jelena
Vasilij beeindruckt. Marisa führte uns immer zu ihr. Das Mädchen gefiel mir
sehr, es war nett und hübsch und strahlte etwas Besonderes aus. Was mir am
meisten geholfen hat, mein spirituelles Leben zu beginnen und den Glauben zu
leben, war das gemeinsame Gebet in der Kirche von Medjugorje, dann jenes in den
Gebetsgruppen und schließlich das in der Gemeinschaft.
Ich spürte eine Kraft, die mir half,
viele Dinge zu überwinden, die mir ansonsten die Öffnung des Herzens für die
Gnade verwehrt hätten.
Nach dieser Wallfahrt machte ich den
ersten Versuch, mein Leben zu ändern. Zu Hause angekommen, traf ich mich jedoch
wieder mit meinen Freunden und nach relativ kurzer Zeit war ich wieder ganz der
Alte und verfiel wieder den Drogen. Es brauchte viel Gnade, um wieder aus
dieser Situation herauszukommen und dies war unmöglich, ohne die Loslösung vom schlechten
Umgang, den ich pflegte, sowie ohne Medjugorje. Meiner Mutter gelang es also
ein weiteres Mal, mich zu überzeugen, nach Medjugorje zu fahren. Ich wollte mich
jedoch nicht von den leichten Drogen trennen, da ich überzeugt war, dass diese
ohnehin nicht so schlecht und schlimm waren und sie auch weiterhin konsumieren
konnte, indem ich normal lebte. Das stimmte jedoch absolut nicht. Gerade die
Drogen waren es, die meinen Willen und meine geistigen Fähigkeiten schwächten,
und zwar dermaßen, dass ich unfähig war, zu kämpfen und mich gegen das Böse zu
wehren. Um mir dessen gewiss zu werden, ließ die Gottesmutter Folgendes
passieren: Bei einer weiteren Wallfahrt nach Medjugorje beschloss ich, einige
Joints für die Reise herzurichten und auch eine kleine Menge Drogen
mitzunehmen.
Meine Eltern begleiteten mich zum
Abfahrtsort. Meine Muter wartete stets, bis der Bus abgefahren war, weil sie
befürchtete, dass ich aussteigen und für einige Tage verschwinden könnte. Dazu
wäre ich durchaus fähig gewesen.
In der Innentasche meiner Jacke hatte
ich die Joints und die anderen Drogen versteckt. Die Jacke hatte ich auf den
Nebensitz gelegt. Unter den Wallfahrern waren kaum junge Leute zu sehen,
sondern alles eher ältere. Nach der Abfahrt von Bozen sehnte ich mich schon
nach der Ankunft an der italienisch-österreichischen Grenze, um endlich meinen
ersten Joint rauchen zu können, der mir die lange Reise erleichtern sollte.
Als wir dort ankamen, nahm ich die
Jacke, stieg aus dem Bus und begab mich ein wenig abseits, um in Ruhe rauchen
zu können. Als ich jedoch die Hand in die Jackeninentasche steckte, fand ich
nicht mehr das Schächtelchen. Ich erschrak und durchsuchte in heller Aufregung
die ganze Jacke danach; doch nichts.
Ich lief zum Bus und suchte unter dem
Sitz und ringsherum, wo das Schächtelchen vielleicht hinuntergefallen war, doch
ich fand nichts. Niemand konnte es gestohlen oder genommen haben, denn 1.
wusste niemand davon ‑ nicht einmal meine Eltern ‑, und 2. interessierte es
niemanden der anderen Mitreisenden.
In jenem Moment spürte ich in mir wie
eine starke Explosion, dass ich mächtig erschrak, weil ich in meinem ganzen
Leben noch nie eine derartige Gewalt in mir gespürt hatte. Ich erkannte mich
nicht wieder und musste feststellen, dass jene Substanzen, die ich als völlig
harmlos betrachtet hatte, letztendlich doch nicht so harmlos waren, um eine
derartige Reaktion zu verursachen.
Ich beschloss, zurückzufahren, weil die
Abhängigkeit von den Drogen derart groß war, dass ich mental die Schublade zu
Hause vor Augen hatte, in denen ich die Drogen unter einer Aluminiumfolie
aufbewahrte. Doch wir waren im Pustertal, es war Mitternacht, keine
Menschenseele weit und breit war zu sehen und Züge fuhren zu jener Stunde auch
keine mehr vorbei.
Der Zustand, in dem ich die Reise
fortsetzte, ist unbeschreiblich. In Medjugorje angekommen, beruhigte ich mich
und kam langsam, langsam zur Vernunft. Bei jener Reise erlebt ich eine
Befreiung, die in einer langen Beichte bei Bruder Philip Ofm gipfelte, der
damals in Medjugorje wirkte und Englisch sprach.
Er half mir während der Beichte und
stellte mir Fragen über Okkultismus, über mein Leben und ich erinnere mich,
dass ich tagelang geweint habe, ohne zu wissen, warum.
Bei der Rückreise sagte ich zu Maria:
„Ich möchte nicht nach Hause fahren, damit es mir eine Woche gut geht, um dann
wieder in mein altes Leben zurückzufallen“ und ich fragte sie, was die Worte
„Entscheidet euch für Gott“ der Königin des Friedens bedeuteten, die ich immer
wieder in meinem Inneren hörte. Indem ich mich ihr öffnete, gab mir Gott die
Gnade, jeden Tag das Rosenkranzgebet und den Besuch der Hl. Messe zu wünschen
und auch in die Praxis umzusetzen. Die größte Gnade war jene, dass ich – und
das war für mich eine wahrlich heroische Leistung – alle meine Freunde verließ,
mit denen ich in der Welt der Musik und der Drogen herangewachsen war.
Es war nicht leicht, denn die Sehnsucht
nach gesunden sozialen Beziehungen, die ich in Medjugorje kennen gelernt hatte,
war sehr groß. Doch die Zeit der Prüfung und der Einsamkeit dauerte nicht
lange. Die Gottesmutter sorgte schließlich dafür, dass ich auf meine erste
Gebetsgruppe traf, jene der Dreheiligenpfarre in Bozen. Dort lernte ich andere
Freunde ‑ wahre Freunde – kennen.
Das Herz wird von Staunen und
Dankbarkeit erfüllt, wenn es die unendliche Güte und Liebe zu begreifen
beginnt, mit der Gott, durch Maria, seine Heilspläne für uns vorbereitet.
Ich wurde den Gebeten eines Priesters
anvertraut, den ich zusammen mit meiner Familie Jahre vor meiner Bekehrung in
Padua aufgesucht hatte, Pater Leo Haberstroh. Die Pfarre Dreiheiligen ist nicht
meine eigentliche Pfarrei, aber ich habe dort in der Kapelle meine geistige
Bekehrung begonnen und mich stets gefragt, warum mich der Herr gerade dorthin
gerufen hatte. In jener Kapelle spürte ich eine besondere innere Wärme.
Der damalige Pfarrer, Don Augusto, war
sehr sympathisch und hat mir sehr geholfen. Er war vorher als Missionar in
Brasilien tätig gewesen. Ich möchte, wie bereits gesagt, Zeugnis dafür geben,
wie Gott und die Gottesmutter arbeiten, wie wichtig der Glaube ist und wie
wichtig es ist, auf den Ruf der Königin des Friedens zu hören, für sich selbst
und für die anderen. Wir müssen darauf vertrauen, dass unsere Opfer wichtig
sind, wenngleich wir oft nicht die Früchte sehen.
Die Gottesmutter sagte in Fatima:
„Viele Seelen landen in der Hölle, weil niemand für sie betet und opfert.“ In
Medjugorje lädt sie unaufhörlich dazu ein, zu beten und Opfer zu bringen: „Ohne
euer Gebet kann ich nicht das verwirklichen, was ich verwirklichen möchte“.
Das Opfer und Gebet jenes Priesters,
zusammen mit jenen meiner Eltern und all jener, die Gott zum Werkzeug für mein
Heil auserkoren hat, haben dazu beigetragen, dass ich einen Ausweg aus einer
Situation gefunden habe, der ich alleine nie hätte entfliehen können. Dies,
weil das Böse mich gefangen hielt und es mir unmöglich machte, mich der Liebe
und dem Heil Gottes zu öffnen.
Das wurde mir an jenem Tag bewusst, als
ich das Erinnerungsbildchen jenes Priesters fand, auf dem sein Leben kurz
beschrieben war. Es stand geschrieben, dass gerade er es gewesen war, der die
Rosenkranzgebetsgruppe ins Leben gerufen und geleitet hatte, genau in jener
Kapelle der Dreiheiligenpfarre, und zwar 1982, nach dem Beginn der
Erscheinungen in Medjugorje.
Dank der Gabe der Musik, die ich
zunehmend nutzte, um das Gebet musikalisch zu umrahmen, begann ich, drei bis
vier Gebetsgruppen pro Woche zu besuchen.
1990 machte ich schließlich etwas, was
bis zum Ende meines irdischen Lebens eine Stütze sowie ausschlaggebend sein
wird, um stets den Willen Gottes zu tun, für mein Heil und für das Heil derer, die
Gott mir anvertrauen wird: Ich weihte mich durch Maria Jesus, nach der Meinung
des Heiligen Ludwig Grignon de Monfort.
Meine wiederholten Wallfahrten nach
Medjugorje hatten in mir diesen Wunsch aufkommen lassen, sodass ich mich 30
Tage lang auf die Weihe vorbereitete und täglich nach den Vorgaben von Monfort
meditierte und betete.
Jede Woche traf ich mich mit einer
Gruppe in Meran, mit der ich mich auf die Weihe vorbereitete, um diese dann
gemeinsam an einem marianischen Tag, es war der 1. Mai 1990, in Schio zu
vollziehen.
Ich erinnere mich, dass ich im selben
Jahr die Gnade hatte, eine wunderschöne Glaubenserfahrung zu machen, in der ich
die göttliche Vorsehung und die Liebe und Nähe der Gottesmutter erfahren
durfte. Ich möchte festhalten, dass ich in meinem bisherigen Leben nie imstande
gewesen war, an einer Sache dauerhaft dranzubleiben, ob es nun Schulen, Kurse
oder Arbeiten waren. Ich hatte etliche Male Arbeit gewechselt und keine
Ausdauer, war stets ein unruhiger Geist, immer auf der Suche nach Neuem.
Ich war gerade nach einem längeren
Aufenthalt in Medjugorje nach Hause zurückgekehrt. Es war Anfang Januar. Meine
Eltern und Bekannten wussten wie ich war, doch sie sahen auch die Fortschritte,
die ich dank Medjugorje gemacht hatte. Ich wollte meinen Eltern Trost schenken
und ihnen zeigen, dass ich mein Leben mit der Hilfe der Königin des Friedens in
Ordnung bringen wollte. Also beschloss ich, einer Arbeit nachzugehen.
Über einen Bekannten der Gebetsgruppe
besorgte mir mein Vater eine Arbeit als Lagerhalter. Im Februar trat ich die
Arbeit an. Ich ging jeden Tag zur Heiligen Messe und ging nie ins Bett, ohne
vorher nicht den Rosenkranz gebetet zu haben.
Am Arbeitsplatz lief es gut und in
kürzester Zeit wurde ich für einen Aufstieg vorgeschlagen. Was war bloß mit mir
passiert? In meinem Herzen spürte ich jedoch immer stärker, dass ich nach
Medjugorje zurückkehren musste. Ich wusste weder warum noch wie oder wann. Ich
wusste lediglich, dass es so sein musste.
Doch nun befand ich mich in einem
großen Dilemma: Ich wollte meinen Vater nicht enttäuschen, indem ich wieder
einmal meine Unbeständigkeit unter Beweis stellte. Was hätte der Freund der
Gebetsgruppe von mir denken sollen, der mir zur Arbeit verholfen hatte, und was
mein Chef, der mich schätzte und mir zum beruflichen Aufstieg verhelfen wollte?
Die Situation schien mir aussichtslos zu sein. Das Einzige, was ich tun konnte,
war, zu beten, die Heiligen Messen aufzuopfern und der Gottesmutter zu sagen,
dass sie dafür sorgen musste, wenn sie mich nach Medjugorje holen wollte, denn
für mich war dies unmöglich.
Kurze Zeit später fand ich den Mut,
mich meinen Eltern gegenüber zu öffnen und ihnen mitzuteilen, dass ich einen
Ruf nach Medjugorje gehen zu müssen, spürte. Ihre Antwort lautete: „Wenn du
meinst, dann geh!“ Es war unglaublich, denn ich spürte, dass sie wegen dieser
Entscheidung nicht besorgt waren und ich war glücklich, denn das Einzige, was
ich unbedingt verhindern wollte, war, sie zum wiederholten Male zu enttäuschen.
Die nächste Hürde war das Gespräch mit
meinem Vorgesetzten. Ich wollte ihn nicht enttäuschen und seinen Vorschlag von
mir weisen. Ich verschaffte mir trotz allem einen Termin. Die Gottesmutter gab
mir ein, wie ich meinen Abschied formulieren sollte, nämlich: „Herr Direktor,
ich möchte kündigen, weil ich mich der Vertiefung meines geistigen Lebens
widmen und eine Zeitlang in Medjugorje leben möchte“.
Seine Antwort war überraschend und ich
werde sie nie vergessen: „Lieber Roland, ich bewundere dich für das, was du tun
möchtest und schätze deine Entscheidung. Für mich geht das in Ordnung. Solltest
du Hilfe brauchen, egal welche, dann melde dich“.
Ein Teil der herrlichen Pläne Mariens
mit mir hatte sich nun verwirklicht. Aber das war noch nicht alles. Ich reiste also
alleine mit meiner Gitarre und einem Koffer nach Medjugorje. Ich wusste weder
warum noch wohin, was tun und wie lange. Ich kann mich noch gut erinnern und
werde dem Herrn stets für meine Einfachheit im Glauben danken, die mich zu
jener Zeit kennzeichnete. Ich traf gegen Abend in Medjugorje ein, stellte
meinen Koffer ab und sagte: „Himmlische Mutter, hier bin ich also! Und was nun?“
Ich wusste ja nicht einmal wohin ich hätte schlafen gehen sollen. Ich ging zur
abendlichen Gebetsveranstaltung, um den Rosenkranz zu beten, die Messe
aufzuopfern und um Jesus und Maria offiziell zu sagen, dass ich ihrem Ruf
gefolgt war und fragte sie, was ich nun also tun sollte. Ich stellte diese
Frage während der Kommunion und spürte einen großen Frieden. Nach den sieben
Vater unser, Gegrüßt seist du Maria und Ehre sei dem Vater stand ich auf, um
wegzugehen. Während ich mich entfernte, begegnete mir Pola, ein irisches
Mädchen, das ich 1988 zusammen mit Ante, ihrem zukünftigen Mann, Pater
Francesco, der damals noch nicht Pater war, sowie anderen Leuten im Haus von
Boro Cilic, einem Bewohner von Medjugorje, kennen gelernt hatte. Sie sagte zu
mir: „Ach, du bist da?! Möchtest du mit unserer irischen Gruppe für irische
Pilger spielen und singen? Du bekommst Verpflegung und Unterkunft und jede
Woche eine bescheidene Entlohnung.“ Was werde ich wohl geantwortet haben?
Die Gottesmutter hatte wahrlich alles
gut vorbereitet. Ich willigte ein, verbrachte eine schöne Zeit in Medjugorje
und versah den Musikdienst, der zu einem Instrument der Vorsehung der
Gottesmutter wurde.
Die
Rolle der Musik in meinem Leben
Musik hat in meinem Leben stets eine
sehr wichtige Rolle gespielt. Meine Mutter hatte mir liebevoll die ersten
Akkorde auf der Gitarre beigebracht. Mein Onkel brachte mir später hingegen den
ersten Boogie Woogie und Rock’n Roll bei. Ich war noch klein. Dann ließ ich das
Gitarrenspiel für eine Weile bleiben und begann erst wieder im Alter von 13-14
Jahren damit, weil mir vorgeschlagen wurde, in einer Band zu spielen. Das
Talent, das Gott mir gegeben hatte, nutzte ich zuerst für meinen eigenen Erfolg
und meine Ambitionen. Musik war für mich, im übertragenen Sinn, meine erste
Droge, denn sie half mir von der Realität zu flüchten, deren Bewältigung für
mich als sensibler Mensch zunehmend schwieriger wurde.
Die satanische Rockmusik wirkte sich verheerend
auf meine Seele aus. Ich hatte die Gewohnheit, mich im Zimmer einzuschließen
und mit Heavy-Metal-Musik „zuzudröhnen“. Diese hatte eine aufpeitschende
Wirkung auf mich, in meinem Innersten spürte ich Hass und Widerstände gegen
meine Eltern, gegen das Leben und ich redete tagelang kein Wort.
Musik hat die Macht, eine geistige
Kraft zu vermitteln, die der Ausdruck dessen ist, was deren Autor vermitteln
möchte. Musik hat die Macht, Impulse und Gefühle auf psychischer, geistiger und
physischer Ebene zu wecken, und zwar durch die von Instrumenten oder Stimmen erzeugten
Schallwellen. Diese beeinflussen den Gemütszustand einer Person.
Bei satanischen Rockkonzerten werden
die Tonfrequenzen studiert und festgelegt, und zwar gezielt auf jene
Körperpartien, in denen sexuelle Gefühle, Gewalttätigkeit, Rebellion, Zorn und
sogar Selbstmordgefühle geweckt werden. Viele Jugendliche haben sich nach
derartigen Konzerten das Leben genommen, andere bekommen Depressionen oder erleben
Exzesse aller Art, die es ihnen nicht mehr gestatten, ein ausgewogenes Leben zu
führen, das von einem seelischen und körperlichen Gleichgewicht geprägt ist.
Andere leichtere Musikgattungen sind sinnlich
und vermitteln Botschaften, die die moralischen Werte zunichte machen und
lebensverachtend wirken, indem sie Traurigkeit, Melancholie und seelische
Schwere hervorrufen.
Nichtsdestotrotz übt die Musik auf
viele einen unwiderstehlichen Reiz aus. Es ist jener des Zeitgeistes, Satans,
der gerade die Jugendlichen in Versuchung führen möchte, indem er sie
„einlullt“, ihnen die innere Freiheit und die Würde der Kinder Gottes raubt.
Dies tut er durch seine Irreführungen und das Vorgaukeln von etwas Falschem,
eines unwahren, imaginären Lebens.
Auch die Filmwelt vermittelt eine
Sichtweise des Lebens die realitätsfremd ist und die Unzufriedenheit sowie Verachtung
für das Leben selbst fördert. Viele Autoren und Musikgruppen haben sich für
Ruhm und Macht Satan verschrieben. Zahllose Produktionsfirmen haben sich Satan
geweiht. Von solchen Geistern war auch ich beeinflusst, lebte von Musik,
Drogen, führte ein unordentliches Leben und war von tiefster Unzufriedenheit,
Angst und Finsternis geprägt. Das Leben hatte für mich keinen Sinn. Zumal ich
in einem derart negativen Umfeld lebte, war mein Leben von bösen Geistern beherrscht,
die mich an einem innern Wachstum hinderten.
In Medjugorje betete Pater Slavko, zu
dem ich stets zur Beichte ging, am Ende jeder Beichte um meine innere Befreiung
und Heilung.
Wie im Bösen so war die Musik auch im
Guten ein wichtiges Instrument meiner Heilung und Umkehr. Dazu kam es dank
einer Kassette eines berühmten kroatischen Sängers, die er um das Jahr 1986
aufgenommen und der Königin des Friedens gewidmet hatte.
Ich weiß nicht mehr wie und woher ich
diese Kassette erhalten hatte, aber als ich nach Italien zurückmusste, um den
Wehrdienst abzuleisten, der mich wieder vom eingeschlagenen Weg abweichen ließ,
musste ich stets weinen und fühlte mich in Medjugorje, als ich sie anhörte.
Nach jedem Weinen spürte ich einen
inneren Frieden und neue Kraft in mir. Ich fühlte den Trost der Gottesmutter
und spürte, dass ich bald wieder zurückkehren würde.
Langsam wurde ich von allen falschen
Abhängigkeiten und negativen Einflüssen befreit. Das Gebet und das Leben der
Botschaften Mariens wurden zu meinem Fundament. Doch um im Hinblick auf die Musik
eine wahre Befreiung zu erleben, weihte ich die Gabe der Musik Maria und gab
alles auf, was mich noch mit den anderen Dingen verband. Ich versprach der
Gottesmutter nie wieder weltliche Lieder zu spielen und alle negativen
Schallplatten (LPs), die ich zu Hause hatte, zu entsorgen. Ich war mir sicher,
dass mit jeder Schallplatte satanischer Musik ein Dämon in Verbindung stand.
Ich spürte daher die Negativität, die von meiner Schallplattensammlung zuhause
ausging, von der ich mich noch definitiv trennen musste.
Die Platten hatten mich schon zu sehr
in die Irre geführt und getäuscht. Also sagte ich mir, ich könnte sie ja jemandem
schenken. Doch die Stimme meines Gewissens erwiderte, dass wenn ich meine
Freunde wirklich gern hätte, dann sollte ich ihnen keine Dämonen schenken. Also
verließ ich eines schönen Tages das Haus mit einigen Kartonen voll
Schallplatten und warf sie in die Mülltonne. Ein wenig tat es schon im Herzen
weh, doch es war ein heilsamer Schmerz. Die Wegwerfaktion brachte Früchte, denn
schon bald verbesserten sich die zwischenmenschlichen Beziehungen in meiner
Familie und es war mehr Offenheit da.
Die Opfer und der Verzicht, was die
Musik in meinem Leben anbelangt, können nicht mit der Freude und Glückseligkeit
verglichen werden, mit denen mich die Gottesmutter belohnt hat, als ich Ihr
alles anvertraut habe. In Medjugorje hat sie mich gänzlich verwandelt: Zuerst
spielte ich ausschließlich elektrische Gitarre und sang nicht. Dann habe ich
damit begonnen, Lieder über Jesus und Maria zu begleiten und zu singen. Dies
war für mich oftmals eine Schule der Demut und Entsagung, doch der Herr ist in
Sachen Großzügigkeit nicht zu übertreffen. Ab 1993 begann ich, selbst zu
komponieren und Lieder zu schreiben. Ich hätte mir nie erträumt, dass diese
eines Tages während Messen, Gebeten und Anbetungen in der ganzen Welt gesungen
werden und dass ich dazu berufen sein werde, die Welt zu bereisen und den Geist
des Gebetes und der Anbetung mit der Musik zu vermitteln und große
Gebetstreffen musikalisch zu umrahmen.
Wir wurden als Gemeinschaft bereits
zweimal in die Vereinigten Staaten eingeladen und haben dort in 15 Staaten
musiziert, wir waren ferner in Korea und zahlreichen europäischen Ländern.
Seit dem Jahre 2002 lebe ich in Medjugorje in der
Gemeinschaft, ich leiste tagtäglich Dienst in der Pfarrei, indem ich singe und
spiele. Wir weihen alle Tätigkeiten und Aufnahmen in der Gemeinschaft dem
Unbefleckten Herzen Mariens, um den Werken des Bösen im Bereich der Musik
entgegenzuwirken. Wir vertrauen darauf, dass mit jeder CD ein guter Engel
verbunden ist, der für die Bekehrung, den Frieden, die Freude all jener
eintritt und betet, die unsere Musik anhören!
Eintritt
und Werdegang in der Gemeinschaft
Nach den langen Zeiträumen, die ich
alleine in Medjugorje verbrachte, ließ mich Maria dem Eucharistischen Jesus begegnen
und so eines der Ziele ihrer Schule der Liebe verwirklichen. Doch es galt, noch
einige große Hindernisse des Teufels zu überwinden.
Ich hatte bereits Mutter Rosaria, die
Gründerin unserer Gemeinschaft kennen gelernt, und das zweite von Pater Slavko
Barbaric eingeführte Jugendfestival in Medjugorje stand vor der Tür. Es war
Juli. Ein von Mutter Rosaria beauftragter mexikanischer Freund fragte mich: „Hey
Roland, in einigen Tagen beginnt das Jugendfestival, komm doch spielen!“
In meinem Inneren spürte ich einen riesigen
Widerstand. Diplomatisch antwortete ich: „Ja, ja, wir werden sehen“. Die Tage
vergingen und es kam der Abend, an dem nach dem Abendprogramm das Festival
losging. Also sagte ich mir, dass es wohl das Beste wäre, mich in ein
Restaurant zu verziehen, um dort in Seelenruhe ein langes Abendessen zu
genießen; so würde mich niemand finden und ich müsste nicht hingegen. Ich
suchte folglich ein Restaurant auf und setzte mich in den hintersten Winkel, um
zu essen. Die Zeit verging.
Ab und an schaute ich auf die Uhr und
wurde immer ruhiger. Ja, aber!? Ich hob den Kopf und wen sah ich? Es war genau
jener Freund, der gerade ins Lokal geschlendert kam und sich suchend umschaute.
Als er mich entdeckte, sagte er: „ Ach hier bist du! Los, komm, das Festival
beginnt bald!“ Was ich in mir spürte war unglaublich.
Ich war schwarz vor Zorn, spürte einen
großen Widerstand, ergriff jedoch meine Gitarre und folgte ihm zur Kirche wie
ein begossener Pudel.
Also trafen wir im grünen Zelt hinter
der Kirche ein, wo der Altar mit vielen kleinen roten Kerzen für die Anbetung
geschmückt war und die Jugendlichen mit Gitarren, Flöten und anderen
Instrumenten bereits warteten. Der Freund sagte: „Stell dich dorthin und spiel
mit ihnen!“ Ich gehorchte, war schrecklich verärgert und fand mich ganz einfach
doof. „Was mache ich hier bloß? Die spinnen ja alle!“, sagte ich zu mir selbst.
Mit diesen Gefühlen verharrte ich also
dort und wartete. Ich weiß nicht worauf, ich wartete bloß, dass etwas beginnen
würde. Nach kurzer Zeit kam ein Franziskanerpater mit dem Allerheiligsten und
stellte es auf den Altar. Wir begannen mit dem Gesang Adoramus Te Domine. Während wir gemeinsam das Lied spielten, diese
einfache Melodie, und beim Anblick der weißen Hostie verflog im Nu aller Ärger
in mir und mein Herz wurde von unbeschreiblicher Freude und tiefem Frieden
erfüllt. Es war die Freude, dort zu sein.
Das war meine erste Begegnung mit dem
Eucharistischen Jesus, begleitet von Maria. Doch dies waren nicht meine
einzigen Widerstände. In den nachfolgenden Tagen fragte einer der
Franziskanerpater bei einer Konferenz, wer von den Anwesenden bereit wäre, sich
als Sühneseele durch Maria für die Rettung der Welt zu opfern.
Als der Pater diese Frage stellte,
wurde es in meinem Herzen unruhig. Ich wusste, dass diese Worte für mich
bestimmt waren, wollte jedoch nichts davon wissen. Ich war noch nicht befreit
genug, um die Stimme des Herrn anzunehmen. Doch von da an begann, von den
Gebeten von Mutter Rosaria getragen, der vorbereitende Weg zu meiner Berufung.
Pater Slavko sagte oft: „Die
Muttergottes ist nach Medjugorje gekommen, um uns daran zu erinnern, dass es
Gott gibt, dass wir in seinen Augen wertvoll sind und dass er einen herrlichen
Plan, ein Projekt mit uns allen hat“. Wir müssen dies täglich im Gebet
entdecken, uns immer mehr zu ihm bekehren und zulassen, dass die Gnade die
Hindernisse aus dem Weg räumt, die die Verwirklichung der göttlichen Pläne behindern.
Die Gottesmutter wusste, dass ich, nachdem
ich vom ärgsten Bösen befreit worden war, es notwendig hatte, von jemandem
geführt zu werden, um meinen neuen Lebensweg zu finden.
In der Folge lud mich Mutter Rosaria
ein, sie eine Woche bei ihren Wallfahrten und Evangelisierungstätigkeiten zu
begleiten. An ihrer Seite spürte ich, dass der Geist des Gebetes von Medjugorje
auch in Italien intensiv gelebt wurde: lange Gebete, Anbetungen, Wallfahrten.
Dies alles brauchte meine Seele. Eines
Tages entdeckte ich durch einen banalen Zufall im Haus von Mutter Rosaria einen
meiner Schwachpunkte, an dem ich besonders arbeiten musste. Auf dem Küchentisch
standen zwei Flaschen: eine Fanta- und eine Colaflasche. Mutter Rosaria fragte
mich: „Was möchtest du? Fanta oder Cola?“ und ich entgegnete schüchtern: „Ist
egal.“ Sie antwortete: „Nein, das ist eben nicht egal, du musst dich entscheiden!“
Ihre Worte waren eine Aufforderung an mich, mir des Bösen bewusst zu werden, das
sich in meinem Verhalten und Taten verborgen hatte, die oft von zu großer Unsicherheit
geprägt waren, um rechtschaffen und geradlinig zu sein.
Ich verstand, dass man aufrichtig und durchschaubar
sein muss, um zu lieben, sonst ist das Verhalten nicht eindeutig und unsicher. 1993
verließ ich mein Zuhause, um in der kleinen Gruppe zu leben, die sich um Mutter
Rosaria geschart hatte. Durch das Leben in der Gemeinschaft vollzog sich eine
weitere Etappe in meiner Heilung und in meinem Wachstum; diese Erfahrung hat es
mir ermöglicht, weitere finstere Ecken in meinem Herzen zu entdecken.
Mutter Rosaria meinte: „Du bist in
einem Tunnel und brauchst jemanden, der dich herausführt, jemanden, dem du
vertrauen kannst, von dem du dich an der Hand führen und dich leiten lässt,
denn alleine schaffst du es nicht“. Ich spürte ihre Liebe zu mir.
Sie war es, die mir mit viel Geduld,
Verständnis und Langmut ihre Liebe schenkte und mir half. Ich war noch sehr
egoistisch, individualistisch, stolz, verschlossen und schwer zu führen; ich
war es gewohnt, alleine zu leben.
Ich war zerbrechlich, aber wenn es
darum ging, meine – oft falschen ‑ Sichtweisen und Interessen zu vertreten,
dann wurde ich stark und glaubte, niemanden zu brauchen. In meiner inneren
Armut wollte ich stets beweisen, selbstständig zu sein. Doch langsam, langsam
habe ich den Reichtum und das Geschenk der Gemeinschaft entdeckt, die
Notwendigkeit des Anderen. Ich habe gelernt, dass alles Gabe und nichts selbstverständlich
ist oder als sicher vorausgesetzt werden kann. Es braucht die Mitmenschen, um
die Liebe zu leben und in der Fülle der Liebe zu leben. Dank der Ausdauer von
Mutter Rosaria in der Liebe habe ich die göttliche Liebe kennen gelernt, die
sich in der Vergebung und kompletten Hingabe äußert.
Eines der ersten Lieder, das ich
geschrieben habe, war „Madre del cielo“ (Mutter des Himmels). Ich schrieb es
1993 anlässlich eines Einkehrtages mit Mutter Rosaria in Medjugorje, um der
Gottesmutter für all das zu danken, was sie für mich getan hatte. Für den Text
dieses Liedes habe ich mich auf die Botschaften der Muttergottes berufen. In
einer sagt sie nämlich, dass sie möchte, dass wir bereits hier auf der Erde
glücklich sind, um es dann eines Tages auch mit ihr im Himmel zu sein.
Als ich das Lied sang, dachte ich oft,
dass diese Worte nur für die anderen gelten, nicht jedoch für mich, da ich
schwere und leidvolle Zeiten durchlebte, zumal der Herr mich in meinem
Innersten ändern wollte.
Um zu verstehen, was die Gottesmuter
sich für uns wünscht, habe ich viel Zeit in der Gemeinschaft verbringen müssen.
Ich begriff schließlich, dass sie jene Freude meint, die Frucht von Opfern,
Kreuz, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen ist. Genau das, was ich stets gemieden
hatte. Doch wir alle wissen, dass man an die irdischen Freuden leicht und
mühelos herankommt, während längerfristige Freuden mühsam und schwer erkämpft
werden müssen, jedoch zu einer inneren Ausgewogenheit und Stabilität beitragen.
Das Schwierigste dabei ist der Kampf,
um Gott und die Mitmenschen immer mehr zu lieben. Eine weitere Liedzeile
lautet: „Befreie uns von allem, was uns hindert, mehr zu leben“. Diese Worte
haben mich sehr getroffen, denn sie richten sich an all jene, die Sklaven von
Idolen sind, Sklaven von sich selbst, Sklaven von den Machenschaften des
Teufels, die einen verstricken, so wie das bei mir der Fall war, und das Herz
des Menschen von der Liebe Jesu und der Wahrheit fernhalten.
All diese Menschen leiden sehr. Es sind
jene, die unfähig sind zu lieben. Nur wer liebt, der lebt. Je mehr man liebt
desto mehr lebt man. Jesus hat gesagt: „Ich bin gekommen, um das Leben in Fülle
zu schenken“. Man liebt und verzeiht im Leben nie genug. Darin besteht die christliche
Vollkommenheit. Die Liebe findet ihren höchsten Ausdruck in der selbstlosen und
bedingungslosen Vergebung von Jesus, der am Kreuz gesagt hat: „Vater vergib
ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Das ist die Lebenseinstellung, die
ich in der Gemeinschaft gelernt habe. Die wahre Freiheit die die Gospa uns
erlangen will ist diejenige die uns erlaubt unbedingt, ohne Voraussetzungen und
Konditionen, zu lieben.
Auf Anraten von Mutter Rosaria ging ich
wieder zur Schule. Ich besuchte das erste Jahr des klassischen Lyzeums, in dem
ich auch meine italienischen Sprachkenntnisse aufbessern konnte, da ich ja
deutscher Muttersprache bin. Es war ein furchtbares Jahr. So lernte ich Opfer
zu bringen und standhaft zu sein. Dank der Unterstützung meines Umfeldes und
des Gebetes habe ich es geschafft, das erste Jahr abzuschließen.
Inzwischen hatte sich der
Gesundheitszustand meiner Mutter stark verschlechtert. Sie hat über 13 Jahre
lang an Alzheimer gelitten und wurde von meinem Vater bis zu ihrem Ableben
heroisch gepflegt. Dies war Grund genug, um wieder nach Bozen zurückzukehren.
Dort beendete ich meine schulische Laufbahn, indem ich 4 Schuljahre in 2 Jahren
an einem privaten Sprachenlyzeum absolvierte.
1996 kehrte ich schließlich definitiv in
die Gemeinschaft zurück. Nach einem Jahr, das ich im Gebet im Haus der
Gemeinschaft in Medjugorje verbrachte, schrieb ich mich an der theologischen
Fakultät in Bologna ein und absolvierte zusammen mit Luigi, einem Mitbruder der
Gemeinschaft, erfolgreich das Theologiestudium.
Während mindestens 10 Jahren hat mich
die himmlische Mutter mit viel Geduld auf dem Weg begleitet, der für mich bestimmt
ist.
Durch die Gemeinschaft hat sie mich die
Beharrlichkeit gelehrt und vor allem, den Glauben zu leben und in der Reinheit
des Glaubens zu leben ‑ wie sie es getan hat ‑ unerschütterlich im Glauben zu
sein, zu lieben, zu verzeihen und das Abbild der unendlichen Barmherzigkeit
Gottes zu sein.
Was sich zusammen mit Mutter Rosaria
entwickelt hat, ist eine kleine Gebetsgemeinschaft mit dem Charisma der Sühne. Das
hatte ich aus den prophetischen Worten jenes Paters viele Jahre vorher beim
erwähnten Jugendfestival herausgehört. Wir selbst waren die ersten, die in den
Genuss von Gnaden gekommen sind, ohne sie selbst gesucht oder verdient zu
haben, sondern wir haben sie dank der Großzügigkeit und Aufopferung von anderen
Brüdern und Schwestern erhalten.
Zusammen mit Maria, Mutter der
Barmherzigkeit, wurden wird von einem Leben abberufen, das keinen Sinn mehr
hatte und uns für immer in der Finsternis gelassen hätte. Nun opfern auch wir
unser Leben und unsere Gebete auf, durch Maria und mit Ihr, für die anderen,
damit viele die Liebe Gottes erfahren dürfen, die heilt und bekehrt.
Seit 1995 wirkt unsere Gemeinschaft in
Medjugorje , wo sie sich am gemeinschaftlichen Gebetsprogramm beteiligt und in
der Pfarrei das Gebet und die italienische Messe musikalisch begleitet.
Abschließend möchte ich der Heiligen
Dreifaltigkeit für die Gabe von Medjugorje und Mariens, der Königin des
Friedens, danken. Ich möchte jedoch auch all jenen danken, die an Medjugorje
geglaubt, es unterstützt und gefördert haben, jenen, die für meine Bekehrung
gelitten und gebetet haben und mich noch jetzt mit ihrer Liebe und ihren Opfern
tragen. Ich bete, dass alle jungen Leute die Gnade haben, stets die Kraft zu
finden, das Leben mutig zu meistern, denn es ist es wert, gelebt zu werden. Sie
sollen glauben, dass keine Vergangenheit es der Liebe Gottes verwehren kann, große
Heilige aus ihnen zu machen. Ich bete für die Jugendlichen, dass sie Menschen
finden mögen, die im Glauben und in der Liebe standhaft sind, um sie auf dem
rechten Weg zu begleiten: den Weg des Kreuzes, das zur Auferstehung und zur
Freude des ewigen Lebens führt.