Zeugnis von Roland Patzleiner

Ich heiße Roland Patzleiner und gehöre der Gebetsgemeinschaft „Figli del divino amore“ (Kinder der göttlichen Liebe) an. Seit einigen Jahren lebe ich in unserem Haus in Medjugorje und kümmere mich zusammen mit den anderen Angehörigen unserer Gemeinschaft um die musikalische Umrahmung der Gottesdienste in der Pfarrei des Hl. Jakob. Ich wurde 1968 in Bozen (Südtirol) geboren. Meine Familie ist deutscher Muttersprache, unsere Kultur österreichisch. Ich bin in einem katholischen Umfeld und in einer gläubigen Familie aufgewachsen. Ab der fünften Grundschule war ich neun Jahre lang als Ministrant in meiner Pfarrei tätig.

In der Schule habe ich mich stets ein wenig schwer getan und war auch nicht sonderlich fleißig. Ich war eher introvertiert. In meiner Familie fehlte der Dialog und es wurde nicht gebetet, außer vor den Mahlzeiten. Als Heranwachsender habe ich, auch durch gewisse Freundschaften beeinflusst, mit 13 Jahren zu rauchen und zu trinken begonnen.

Bei einer Geburtstagsfeier erlebte ich erstmals die Wirkung eines Alkoholexzesses, wobei die plötzliche Freude und Offenheit, die mich erfüllten, zu etwas Erstrebenswertem wurden, um den Dingen zu entfliehen, die ich nicht bewältigen wollte und die mit Opfern und Leid verbunden waren, welche notwendig sind, um wachsen zu können.

Nach der Mittelschule hörte ich mit dem Ministrieren auf und entfernte mich von der Kirche. Mein Zuhause wurde zu einer Art Hotel, das ich nur aufsuchte, um zu essen und zu schlafen, während meine Freunde auf der Straße zu meiner eigentlichen Familie wurden. Meine innere Instabilität und Zerbrechlichkeit äußerten sich zusehends im Unvermögen, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun. Zu Alkohol und  Tabak gesellten sich recht bald leichte Drogen; später ging ich zu allerlei Arten von schweren Drogen über, hatte jedoch die Gnade, mir diese nie zu spritzen.

Ich habe drei verschiedene Oberschulen begonnen, brachte es jedoch nie fertig, auch nur ein einziges Jahr abzuschließen. Schließlich habe ich die Schule aufgegeben und bin arbeiten gegangen. Doch auch dieser Lebensabschnitt war von Unbeständigkeit geprägt, sodass ich es an keinem Arbeitsplatz länger als sieben Monate aushielt. Zwischen 14 und 21 Jahren habe ich auf diese Art und Weise gelebt und war durch eine große innere Unsicherheit und Zerbrechlichkeit geprägt. Die Musik war für mich von herausragender Bedeutung. Als Kind hatte ich das Gitarrespielen gelernt. Ich spielte dann in verschiedenen Bands und war ein Fan großer Idole der Rockmusik und des Heavy Metals. Zu Hause ärgerte ich mich wegen jeder Kleinigkeit mit meinen Eltern und spürte ein ums andere Mal einen inneren Hass und eine Rebellion, sodass ich mich oft Tür knallend ins Wohnzimmer zurückzog und einsperrte, wo ich dann lautstark die Musik meiner damaligen Lieblingsgruppe hörte, den Krokus, einer Schweizer Heavy-Metal-Band, die im ganzen Haus zu hören war und alle störte. Ich spürte dann, wie in mir rebellische Gefühle aufkeimten und wuchsen. Ich habe den Namen dieser Band (meine Idole) angeführt, weil ich mich noch gut erinnere, dass deren Gitarrist sich später das Leben nahm. Dies waren für mich damals nachahmenswerte Persönlichkeiten, für die ich Sympathie empfand, obwohl ich sie gar nicht persönlich kannte.

Für mich galt es als erstrebenswert, ein berühmter Gitarrist zu werden und mit Drogen und Alkohol meine inneren Bedürfnisse zu stillen. Dies war meine Lebensperspektive. Wie viele Stunden habe ich nicht an unserem Treffpunkt der „Bank“ verbracht, wo wir aufeinander warteten, um gemeinsam Drogen zu nehmen und dann in die Stadt zu gehen, um etwas zu unternehmen. So wuchs ich in meiner Verschlossenheit und verzerrten Welt auf, ohne Beziehungen aufzubauen und den Sinn des Lebens zu begreifen. Das weibliche Geschlecht war lediglich Objekt der Begierde und ich wusste nicht, was echte Liebe ist. Die Freunde, mit denen ich Umgang pflegte, betrieben Spiritismus und wenngleich ich mich nicht daran beteiligt habe, war auch ich darin gefangen und verstrickt.

Die Drogen schwächten meinen Willen. Ich wusste nicht genau, was ich eigentlich wollte, es interessierte mich nur, meine momentanen Bedürfnisse zu stillen, damit es mir gut ging, damit ich ruhig blieb. Eines Tages wollte mich ein Freund dem Hexenmeister der Stadt vorstellen, der mit Übernamen „Giftzahn“ hieß, aber Gott sei Dank bin ich ihm nie begegnet. Ich kann mich noch an einige Begebenheiten erinnern, insbesondere, wenn ich unter dem Einfluss von Drogen stand, wie etwa Folgende: Eines Abends ging ich durch eine dunkle und enge Gasse, die sich in der Nähe der Wohnung eines Freundes befand. Ich war ziemlich high. Plötzlich, und ich bekomme jetzt noch die Gänsehaut, wenn ich daran denke, ging an mir ein großer, schlanker, mit einem schwarzen Frack und einem Hut bekleideter Mann mit Stock vorbei. Ich konnte sein Gesicht nicht erkennen; dann sah ich ihn langsam in Luft auflòsen und verschwinden. Ich stand wie versteinert da.

Erst Jahre später, nach meiner Bekehrung, habe ich den Sinn dieser Erfahrung verstanden: mit dem Leben, das ich damals führte, wandelte Satan an meiner Seite.

Dank der verschiedenen Erfahrungen mit dem Bösen wollte der Böse mich in die endgültige Flucht treiben: den Selbstmord. Auch wenn ich darüber nachdachte, für mich hatte das Leben keinen Sinn.

Bestärkt wurde ich in diesem Vorhaben durch mein ständiges Fliehen vor der Realität, jeglichen Anstrengungen und Leiden sowie von den Botschaften, die mir durch die bösen Geister über die satanische Musik eingeflüstert wurden: Es blieb mir nichts anderes übrig, als die endgültige Flucht.

Dies war also die Absicht, die langsam in mir heranreifte; ich war mir selbst, Gott, meiner Familie und der Realität fern.

In jenen Jahren hatten meine Eltern begonnen, einen deutschsprachigen charismatischen Gebetskreis aufzusuchen und waren bereits einmal nach Medjugorje gefahren. Zusammen mit anderen beteten sie intensiv für mich. Als meine Mutter nach Medjugorje kam, spürte sie, dass sie es unbedingt schaffen musste, mich dorthin zu bringen. Sie hatte ihre ganze Hoffnung auf die Gottesmutter gesetzt.

Marisa Baldessari aus Bozen organisierte jeden Monat einen Bus nach Medjugorje und meine Mutter wiederholte immer wieder: „Roland, schau, in Medjugorje erscheint die Gottesmutter, fahr doch hin!“ Und ich antwortete: „Ja, ja…!“ Es interessierte mich überhaupt nicht. Doch eines Tages gelang es meiner Mutter mit der Unterstützung von Marisa, mich zu einer Fahrt nach Medjugorje zu bewegen. Sie hatten derart lang darauf bestanden, dass das wenige Gute in mir sich nicht mehr widersetzen konnte, nicht zuletzt weil sie sagten, dass die Fahrt kostenlos war.

Also willigte ich ein, auch, um meine Mutter zufrieden zu stellen. Ich erinnere mich, dass ich weder in die Kirche, noch auf den Erscheinungsberg oder den Krizevac ging. Alles, was mich damals im Jahr 1987 interessierte, war der Tabak den die Landbewohner damals noch verarbeiteten.

Wieder zu Hause angekommen, führte ich mein übliches Leben weiter. Meine Situation verschlechterte sich zusehends, sodass ich innerlich zu mir sagte: „Wenn sich nicht binnen kurzer Zeit etwas ändert, dann setze ich meinem Leben ein Ende“. Zehn Tage später war ich in Medjugorje.

Bei meiner Ankunft befreite mich die Gottesmutter von der Drogensucht und den anderen Süchten und ich begann, mich am Pilgerleben zu beteiligen. In Medjugorje fühlte ich mich zu Hause. Als ich auf dem Erscheinungsberg war, auf dem Krizevac, in der Kirche, als ich den Wegen entlang durch die Felder spazierte, überall spürte ich einen großen Frieden und eine tiefe Liebe, die mich umfing. Ich fühlte mich angenommen und geliebt.

Von Anfang an war ich von Jelena Vasilij beeindruckt. Marisa führte uns immer zu ihr. Das Mädchen gefiel mir sehr, es war nett und hübsch und strahlte etwas Besonderes aus. Was mir am meisten geholfen hat, mein spirituelles Leben zu beginnen und den Glauben zu leben, war das gemeinsame Gebet in der Kirche von Medjugorje, dann jenes in den Gebetsgruppen und schließlich das in der Gemeinschaft.

Ich spürte eine Kraft, die mir half, viele Dinge zu überwinden, die mir ansonsten die Öffnung des Herzens für die Gnade verwehrt hätten.

Nach dieser Wallfahrt machte ich den ersten Versuch, mein Leben zu ändern. Zu Hause angekommen, traf ich mich jedoch wieder mit meinen Freunden und nach relativ kurzer Zeit war ich wieder ganz der Alte und verfiel wieder den Drogen. Es brauchte viel Gnade, um wieder aus dieser Situation herauszukommen und dies war unmöglich, ohne die Loslösung vom schlechten Umgang, den ich pflegte, sowie ohne Medjugorje. Meiner Mutter gelang es also ein weiteres Mal, mich zu überzeugen, nach Medjugorje zu fahren. Ich wollte mich jedoch nicht von den leichten Drogen trennen, da ich überzeugt war, dass diese ohnehin nicht so schlecht und schlimm waren und sie auch weiterhin konsumieren konnte, indem ich normal lebte. Das stimmte jedoch absolut nicht. Gerade die Drogen waren es, die meinen Willen und meine geistigen Fähigkeiten schwächten, und zwar dermaßen, dass ich unfähig war, zu kämpfen und mich gegen das Böse zu wehren. Um mir dessen gewiss zu werden, ließ die Gottesmutter Folgendes passieren: Bei einer weiteren Wallfahrt nach Medjugorje beschloss ich, einige Joints für die Reise herzurichten und auch eine kleine Menge Drogen mitzunehmen.

Meine Eltern begleiteten mich zum Abfahrtsort. Meine Muter wartete stets, bis der Bus abgefahren war, weil sie befürchtete, dass ich aussteigen und für einige Tage verschwinden könnte. Dazu wäre ich durchaus fähig gewesen.

In der Innentasche meiner Jacke hatte ich die Joints und die anderen Drogen versteckt. Die Jacke hatte ich auf den Nebensitz gelegt. Unter den Wallfahrern waren kaum junge Leute zu sehen, sondern alles eher ältere. Nach der Abfahrt von Bozen sehnte ich mich schon nach der Ankunft an der italienisch-österreichischen Grenze, um endlich meinen ersten Joint rauchen zu können, der mir die lange Reise erleichtern sollte.

Als wir dort ankamen, nahm ich die Jacke, stieg aus dem Bus und begab mich ein wenig abseits, um in Ruhe rauchen zu können. Als ich jedoch die Hand in die Jackeninentasche steckte, fand ich nicht mehr das Schächtelchen. Ich erschrak und durchsuchte in heller Aufregung die ganze Jacke danach; doch nichts.

Ich lief zum Bus und suchte unter dem Sitz und ringsherum, wo das Schächtelchen vielleicht hinuntergefallen war, doch ich fand nichts. Niemand konnte es gestohlen oder genommen haben, denn 1. wusste niemand davon ‑ nicht einmal meine Eltern ‑, und 2. interessierte es niemanden der anderen Mitreisenden.

In jenem Moment spürte ich in mir wie eine starke Explosion, dass ich mächtig erschrak, weil ich in meinem ganzen Leben noch nie eine derartige Gewalt in mir gespürt hatte. Ich erkannte mich nicht wieder und musste feststellen, dass jene Substanzen, die ich als völlig harmlos betrachtet hatte, letztendlich doch nicht so harmlos waren, um eine derartige Reaktion zu verursachen.

Ich beschloss, zurückzufahren, weil die Abhängigkeit von den Drogen derart groß war, dass ich mental die Schublade zu Hause vor Augen hatte, in denen ich die Drogen unter einer Aluminiumfolie aufbewahrte. Doch wir waren im Pustertal, es war Mitternacht, keine Menschenseele weit und breit war zu sehen und Züge fuhren zu jener Stunde auch keine mehr vorbei.

Der Zustand, in dem ich die Reise fortsetzte, ist unbeschreiblich. In Medjugorje angekommen, beruhigte ich mich und kam langsam, langsam zur Vernunft. Bei jener Reise erlebt ich eine Befreiung, die in einer langen Beichte bei Bruder Philip Ofm gipfelte, der damals in Medjugorje wirkte und Englisch sprach.

Er half mir während der Beichte und stellte mir Fragen über Okkultismus, über mein Leben und ich erinnere mich, dass ich tagelang geweint habe, ohne zu wissen, warum.

Bei der Rückreise sagte ich zu Maria: „Ich möchte nicht nach Hause fahren, damit es mir eine Woche gut geht, um dann wieder in mein altes Leben zurückzufallen“ und ich fragte sie, was die Worte „Entscheidet euch für Gott“ der Königin des Friedens bedeuteten, die ich immer wieder in meinem Inneren hörte. Indem ich mich ihr öffnete, gab mir Gott die Gnade, jeden Tag das Rosenkranzgebet und den Besuch der Hl. Messe zu wünschen und auch in die Praxis umzusetzen. Die größte Gnade war jene, dass ich – und das war für mich eine wahrlich heroische Leistung – alle meine Freunde verließ, mit denen ich in der Welt der Musik und der Drogen herangewachsen war.

Es war nicht leicht, denn die Sehnsucht nach gesunden sozialen Beziehungen, die ich in Medjugorje kennen gelernt hatte, war sehr groß. Doch die Zeit der Prüfung und der Einsamkeit dauerte nicht lange. Die Gottesmutter sorgte schließlich dafür, dass ich auf meine erste Gebetsgruppe traf, jene der Dreheiligenpfarre in Bozen. Dort lernte ich andere Freunde ‑ wahre Freunde – kennen.

Das Herz wird von Staunen und Dankbarkeit erfüllt, wenn es die unendliche Güte und Liebe zu begreifen beginnt, mit der Gott, durch Maria, seine Heilspläne für uns vorbereitet.

Ich wurde den Gebeten eines Priesters anvertraut, den ich zusammen mit meiner Familie Jahre vor meiner Bekehrung in Padua aufgesucht hatte, Pater Leo Haberstroh. Die Pfarre Dreiheiligen ist nicht meine eigentliche Pfarrei, aber ich habe dort in der Kapelle meine geistige Bekehrung begonnen und mich stets gefragt, warum mich der Herr gerade dorthin gerufen hatte. In jener Kapelle spürte ich eine besondere innere Wärme.

Der damalige Pfarrer, Don Augusto, war sehr sympathisch und hat mir sehr geholfen. Er war vorher als Missionar in Brasilien tätig gewesen. Ich möchte, wie bereits gesagt, Zeugnis dafür geben, wie Gott und die Gottesmutter arbeiten, wie wichtig der Glaube ist und wie wichtig es ist, auf den Ruf der Königin des Friedens zu hören, für sich selbst und für die anderen. Wir müssen darauf vertrauen, dass unsere Opfer wichtig sind, wenngleich wir oft nicht die Früchte sehen.

Die Gottesmutter sagte in Fatima: „Viele Seelen landen in der Hölle, weil niemand für sie betet und opfert.“ In Medjugorje lädt sie unaufhörlich dazu ein, zu beten und Opfer zu bringen: „Ohne euer Gebet kann ich nicht das verwirklichen, was ich verwirklichen möchte“.

Das Opfer und Gebet jenes Priesters, zusammen mit jenen meiner Eltern und all jener, die Gott zum Werkzeug für mein Heil auserkoren hat, haben dazu beigetragen, dass ich einen Ausweg aus einer Situation gefunden habe, der ich alleine nie hätte entfliehen können. Dies, weil das Böse mich gefangen hielt und es mir unmöglich machte, mich der Liebe und dem Heil Gottes zu öffnen.

Das wurde mir an jenem Tag bewusst, als ich das Erinnerungsbildchen jenes Priesters fand, auf dem sein Leben kurz beschrieben war. Es stand geschrieben, dass gerade er es gewesen war, der die Rosenkranzgebetsgruppe ins Leben gerufen und geleitet hatte, genau in jener Kapelle der Dreiheiligenpfarre, und zwar 1982, nach dem Beginn der Erscheinungen in Medjugorje.

Dank der Gabe der Musik, die ich zunehmend nutzte, um das Gebet musikalisch zu umrahmen, begann ich, drei bis vier Gebetsgruppen pro Woche zu besuchen.

1990 machte ich schließlich etwas, was bis zum Ende meines irdischen Lebens eine Stütze sowie ausschlaggebend sein wird, um stets den Willen Gottes zu tun, für mein Heil und für das Heil derer, die Gott mir anvertrauen wird: Ich weihte mich durch Maria Jesus, nach der Meinung des Heiligen Ludwig Grignon de Monfort.

Meine wiederholten Wallfahrten nach Medjugorje hatten in mir diesen Wunsch aufkommen lassen, sodass ich mich 30 Tage lang auf die Weihe vorbereitete und täglich nach den Vorgaben von Monfort meditierte und betete.

Jede Woche traf ich mich mit einer Gruppe in Meran, mit der ich mich auf die Weihe vorbereitete, um diese dann gemeinsam an einem marianischen Tag, es war der 1. Mai 1990, in Schio zu vollziehen.

Ich erinnere mich, dass ich im selben Jahr die Gnade hatte, eine wunderschöne Glaubenserfahrung zu machen, in der ich die göttliche Vorsehung und die Liebe und Nähe der Gottesmutter erfahren durfte. Ich möchte festhalten, dass ich in meinem bisherigen Leben nie imstande gewesen war, an einer Sache dauerhaft dranzubleiben, ob es nun Schulen, Kurse oder Arbeiten waren. Ich hatte etliche Male Arbeit gewechselt und keine Ausdauer, war stets ein unruhiger Geist, immer auf der Suche nach Neuem.

Ich war gerade nach einem längeren Aufenthalt in Medjugorje nach Hause zurückgekehrt. Es war Anfang Januar. Meine Eltern und Bekannten wussten wie ich war, doch sie sahen auch die Fortschritte, die ich dank Medjugorje gemacht hatte. Ich wollte meinen Eltern Trost schenken und ihnen zeigen, dass ich mein Leben mit der Hilfe der Königin des Friedens in Ordnung bringen wollte. Also beschloss ich, einer Arbeit nachzugehen.

Über einen Bekannten der Gebetsgruppe besorgte mir mein Vater eine Arbeit als Lagerhalter. Im Februar trat ich die Arbeit an. Ich ging jeden Tag zur Heiligen Messe und ging nie ins Bett, ohne vorher nicht den Rosenkranz gebetet zu haben.

Am Arbeitsplatz lief es gut und in kürzester Zeit wurde ich für einen Aufstieg vorgeschlagen. Was war bloß mit mir passiert? In meinem Herzen spürte ich jedoch immer stärker, dass ich nach Medjugorje zurückkehren musste. Ich wusste weder warum noch wie oder wann. Ich wusste lediglich, dass es so sein musste.

Doch nun befand ich mich in einem großen Dilemma: Ich wollte meinen Vater nicht enttäuschen, indem ich wieder einmal meine Unbeständigkeit unter Beweis stellte. Was hätte der Freund der Gebetsgruppe von mir denken sollen, der mir zur Arbeit verholfen hatte, und was mein Chef, der mich schätzte und mir zum beruflichen Aufstieg verhelfen wollte? Die Situation schien mir aussichtslos zu sein. Das Einzige, was ich tun konnte, war, zu beten, die Heiligen Messen aufzuopfern und der Gottesmutter zu sagen, dass sie dafür sorgen musste, wenn sie mich nach Medjugorje holen wollte, denn für mich war dies unmöglich.

Kurze Zeit später fand ich den Mut, mich meinen Eltern gegenüber zu öffnen und ihnen mitzuteilen, dass ich einen Ruf nach Medjugorje gehen zu müssen, spürte. Ihre Antwort lautete: „Wenn du meinst, dann geh!“ Es war unglaublich, denn ich spürte, dass sie wegen dieser Entscheidung nicht besorgt waren und ich war glücklich, denn das Einzige, was ich unbedingt verhindern wollte, war, sie zum wiederholten Male zu enttäuschen.

Die nächste Hürde war das Gespräch mit meinem Vorgesetzten. Ich wollte ihn nicht enttäuschen und seinen Vorschlag von mir weisen. Ich verschaffte mir trotz allem einen Termin. Die Gottesmutter gab mir ein, wie ich meinen Abschied formulieren sollte, nämlich: „Herr Direktor, ich möchte kündigen, weil ich mich der Vertiefung meines geistigen Lebens widmen und eine Zeitlang in Medjugorje leben möchte“.

Seine Antwort war überraschend und ich werde sie nie vergessen: „Lieber Roland, ich bewundere dich für das, was du tun möchtest und schätze deine Entscheidung. Für mich geht das in Ordnung. Solltest du Hilfe brauchen, egal welche, dann melde dich“.

Ein Teil der herrlichen Pläne Mariens mit mir hatte sich nun verwirklicht. Aber das war noch nicht alles. Ich reiste also alleine mit meiner Gitarre und einem Koffer nach Medjugorje. Ich wusste weder warum noch wohin, was tun und wie lange. Ich kann mich noch gut erinnern und werde dem Herrn stets für meine Einfachheit im Glauben danken, die mich zu jener Zeit kennzeichnete. Ich traf gegen Abend in Medjugorje ein, stellte meinen Koffer ab und sagte: „Himmlische Mutter, hier bin ich also! Und was nun?“ Ich wusste ja nicht einmal wohin ich hätte schlafen gehen sollen. Ich ging zur abendlichen Gebetsveranstaltung, um den Rosenkranz zu beten, die Messe aufzuopfern und um Jesus und Maria offiziell zu sagen, dass ich ihrem Ruf gefolgt war und fragte sie, was ich nun also tun sollte. Ich stellte diese Frage während der Kommunion und spürte einen großen Frieden. Nach den sieben Vater unser, Gegrüßt seist du Maria und Ehre sei dem Vater stand ich auf, um wegzugehen. Während ich mich entfernte, begegnete mir Pola, ein irisches Mädchen, das ich 1988 zusammen mit Ante, ihrem zukünftigen Mann, Pater Francesco, der damals noch nicht Pater war, sowie anderen Leuten im Haus von Boro Cilic, einem Bewohner von Medjugorje, kennen gelernt hatte. Sie sagte zu mir: „Ach, du bist da?! Möchtest du mit unserer irischen Gruppe für irische Pilger spielen und singen? Du bekommst Verpflegung und Unterkunft und jede Woche eine bescheidene Entlohnung.“ Was werde ich wohl geantwortet haben?

Die Gottesmutter hatte wahrlich alles gut vorbereitet. Ich willigte ein, verbrachte eine schöne Zeit in Medjugorje und versah den Musikdienst, der zu einem Instrument der Vorsehung der Gottesmutter wurde.

 

Die Rolle der Musik in meinem Leben

 

Musik hat in meinem Leben stets eine sehr wichtige Rolle gespielt. Meine Mutter hatte mir liebevoll die ersten Akkorde auf der Gitarre beigebracht. Mein Onkel brachte mir später hingegen den ersten Boogie Woogie und Rock’n Roll bei. Ich war noch klein. Dann ließ ich das Gitarrenspiel für eine Weile bleiben und begann erst wieder im Alter von 13-14 Jahren damit, weil mir vorgeschlagen wurde, in einer Band zu spielen. Das Talent, das Gott mir gegeben hatte, nutzte ich zuerst für meinen eigenen Erfolg und meine Ambitionen. Musik war für mich, im übertragenen Sinn, meine erste Droge, denn sie half mir von der Realität zu flüchten, deren Bewältigung für mich als sensibler Mensch zunehmend schwieriger wurde.

Die satanische Rockmusik wirkte sich verheerend auf meine Seele aus. Ich hatte die Gewohnheit, mich im Zimmer einzuschließen und mit Heavy-Metal-Musik „zuzudröhnen“. Diese hatte eine aufpeitschende Wirkung auf mich, in meinem Innersten spürte ich Hass und Widerstände gegen meine Eltern, gegen das Leben und ich redete tagelang kein Wort.

Musik hat die Macht, eine geistige Kraft zu vermitteln, die der Ausdruck dessen ist, was deren Autor vermitteln möchte. Musik hat die Macht, Impulse und Gefühle auf psychischer, geistiger und physischer Ebene zu wecken, und zwar durch die von Instrumenten oder Stimmen erzeugten Schallwellen. Diese beeinflussen den Gemütszustand einer Person.

Bei satanischen Rockkonzerten werden die Tonfrequenzen studiert und festgelegt, und zwar gezielt auf jene Körperpartien, in denen sexuelle Gefühle, Gewalttätigkeit, Rebellion, Zorn und sogar Selbstmordgefühle geweckt werden. Viele Jugendliche haben sich nach derartigen Konzerten das Leben genommen, andere bekommen Depressionen oder erleben Exzesse aller Art, die es ihnen nicht mehr gestatten, ein ausgewogenes Leben zu führen, das von einem seelischen und körperlichen Gleichgewicht geprägt ist.

Andere leichtere Musikgattungen sind sinnlich und vermitteln Botschaften, die die moralischen Werte zunichte machen und lebensverachtend wirken, indem sie Traurigkeit, Melancholie und seelische Schwere hervorrufen.

Nichtsdestotrotz übt die Musik auf viele einen unwiderstehlichen Reiz aus. Es ist jener des Zeitgeistes, Satans, der gerade die Jugendlichen in Versuchung führen möchte, indem er sie „einlullt“, ihnen die innere Freiheit und die Würde der Kinder Gottes raubt. Dies tut er durch seine Irreführungen und das Vorgaukeln von etwas Falschem, eines unwahren, imaginären Lebens.

Auch die Filmwelt vermittelt eine Sichtweise des Lebens die realitätsfremd ist und die Unzufriedenheit sowie Verachtung für das Leben selbst fördert. Viele Autoren und Musikgruppen haben sich für Ruhm und Macht Satan verschrieben. Zahllose Produktionsfirmen haben sich Satan geweiht. Von solchen Geistern war auch ich beeinflusst, lebte von Musik, Drogen, führte ein unordentliches Leben und war von tiefster Unzufriedenheit, Angst und Finsternis geprägt. Das Leben hatte für mich keinen Sinn. Zumal ich in einem derart negativen Umfeld lebte, war mein Leben von bösen Geistern beherrscht, die mich an einem innern Wachstum hinderten.

In Medjugorje betete Pater Slavko, zu dem ich stets zur Beichte ging, am Ende jeder Beichte um meine innere Befreiung und Heilung.

Wie im Bösen so war die Musik auch im Guten ein wichtiges Instrument meiner Heilung und Umkehr. Dazu kam es dank einer Kassette eines berühmten kroatischen Sängers, die er um das Jahr 1986 aufgenommen und der Königin des Friedens gewidmet hatte.

Ich weiß nicht mehr wie und woher ich diese Kassette erhalten hatte, aber als ich nach Italien zurückmusste, um den Wehrdienst abzuleisten, der mich wieder vom eingeschlagenen Weg abweichen ließ, musste ich stets weinen und fühlte mich in Medjugorje, als ich sie anhörte.

Nach jedem Weinen spürte ich einen inneren Frieden und neue Kraft in mir. Ich fühlte den Trost der Gottesmutter und spürte, dass ich bald wieder zurückkehren würde.

Langsam wurde ich von allen falschen Abhängigkeiten und negativen Einflüssen befreit. Das Gebet und das Leben der Botschaften Mariens wurden zu meinem Fundament. Doch um im Hinblick auf die Musik eine wahre Befreiung zu erleben, weihte ich die Gabe der Musik Maria und gab alles auf, was mich noch mit den anderen Dingen verband. Ich versprach der Gottesmutter nie wieder weltliche Lieder zu spielen und alle negativen Schallplatten (LPs), die ich zu Hause hatte, zu entsorgen. Ich war mir sicher, dass mit jeder Schallplatte satanischer Musik ein Dämon in Verbindung stand. Ich spürte daher die Negativität, die von meiner Schallplattensammlung zuhause ausging, von der ich mich noch definitiv trennen musste.

Die Platten hatten mich schon zu sehr in die Irre geführt und getäuscht. Also sagte ich mir, ich könnte sie ja jemandem schenken. Doch die Stimme meines Gewissens erwiderte, dass wenn ich meine Freunde wirklich gern hätte, dann sollte ich ihnen keine Dämonen schenken. Also verließ ich eines schönen Tages das Haus mit einigen Kartonen voll Schallplatten und warf sie in die Mülltonne. Ein wenig tat es schon im Herzen weh, doch es war ein heilsamer Schmerz. Die Wegwerfaktion brachte Früchte, denn schon bald verbesserten sich die zwischenmenschlichen Beziehungen in meiner Familie und es war mehr Offenheit da.

Die Opfer und der Verzicht, was die Musik in meinem Leben anbelangt, können nicht mit der Freude und Glückseligkeit verglichen werden, mit denen mich die Gottesmutter belohnt hat, als ich Ihr alles anvertraut habe. In Medjugorje hat sie mich gänzlich verwandelt: Zuerst spielte ich ausschließlich elektrische Gitarre und sang nicht. Dann habe ich damit begonnen, Lieder über Jesus und Maria zu begleiten und zu singen. Dies war für mich oftmals eine Schule der Demut und Entsagung, doch der Herr ist in Sachen Großzügigkeit nicht zu übertreffen. Ab 1993 begann ich, selbst zu komponieren und Lieder zu schreiben. Ich hätte mir nie erträumt, dass diese eines Tages während Messen, Gebeten und Anbetungen in der ganzen Welt gesungen werden und dass ich dazu berufen sein werde, die Welt zu bereisen und den Geist des Gebetes und der Anbetung mit der Musik zu vermitteln und große Gebetstreffen musikalisch zu umrahmen.

Wir wurden als Gemeinschaft bereits zweimal in die Vereinigten Staaten eingeladen und haben dort in 15 Staaten musiziert, wir waren ferner in Korea und zahlreichen europäischen Ländern.

Seit dem  Jahre 2002 lebe ich in Medjugorje in der Gemeinschaft, ich leiste tagtäglich Dienst in der Pfarrei, indem ich singe und spiele. Wir weihen alle Tätigkeiten und Aufnahmen in der Gemeinschaft dem Unbefleckten Herzen Mariens, um den Werken des Bösen im Bereich der Musik entgegenzuwirken. Wir vertrauen darauf, dass mit jeder CD ein guter Engel verbunden ist, der für die Bekehrung, den Frieden, die Freude all jener eintritt und betet, die unsere Musik anhören!

 

Eintritt und Werdegang in der Gemeinschaft

 

Nach den langen Zeiträumen, die ich alleine in Medjugorje verbrachte, ließ mich Maria dem Eucharistischen Jesus begegnen und so eines der Ziele ihrer Schule der Liebe verwirklichen. Doch es galt, noch einige große Hindernisse des Teufels zu überwinden.

Ich hatte bereits Mutter Rosaria, die Gründerin unserer Gemeinschaft kennen gelernt, und das zweite von Pater Slavko Barbaric eingeführte Jugendfestival in Medjugorje stand vor der Tür. Es war Juli. Ein von Mutter Rosaria beauftragter mexikanischer Freund fragte mich: „Hey Roland, in einigen Tagen beginnt das Jugendfestival, komm doch spielen!“

In meinem Inneren spürte ich einen riesigen Widerstand. Diplomatisch antwortete ich: „Ja, ja, wir werden sehen“. Die Tage vergingen und es kam der Abend, an dem nach dem Abendprogramm das Festival losging. Also sagte ich mir, dass es wohl das Beste wäre, mich in ein Restaurant zu verziehen, um dort in Seelenruhe ein langes Abendessen zu genießen; so würde mich niemand finden und ich müsste nicht hingegen. Ich suchte folglich ein Restaurant auf und setzte mich in den hintersten Winkel, um zu essen. Die Zeit verging.

Ab und an schaute ich auf die Uhr und wurde immer ruhiger. Ja, aber!? Ich hob den Kopf und wen sah ich? Es war genau jener Freund, der gerade ins Lokal geschlendert kam und sich suchend umschaute. Als er mich entdeckte, sagte er: „ Ach hier bist du! Los, komm, das Festival beginnt bald!“ Was ich in mir spürte war unglaublich.

Ich war schwarz vor Zorn, spürte einen großen Widerstand, ergriff jedoch meine Gitarre und folgte ihm zur Kirche wie ein begossener Pudel.

Also trafen wir im grünen Zelt hinter der Kirche ein, wo der Altar mit vielen kleinen roten Kerzen für die Anbetung geschmückt war und die Jugendlichen mit Gitarren, Flöten und anderen Instrumenten bereits warteten. Der Freund sagte: „Stell dich dorthin und spiel mit ihnen!“ Ich gehorchte, war schrecklich verärgert und fand mich ganz einfach doof. „Was mache ich hier bloß? Die spinnen ja alle!“, sagte ich zu mir selbst.

Mit diesen Gefühlen verharrte ich also dort und wartete. Ich weiß nicht worauf, ich wartete bloß, dass etwas beginnen würde. Nach kurzer Zeit kam ein Franziskanerpater mit dem Allerheiligsten und stellte es auf den Altar. Wir begannen mit dem Gesang Adoramus Te Domine. Während wir gemeinsam das Lied spielten, diese einfache Melodie, und beim Anblick der weißen Hostie verflog im Nu aller Ärger in mir und mein Herz wurde von unbeschreiblicher Freude und tiefem Frieden erfüllt. Es war die Freude, dort zu sein.

Das war meine erste Begegnung mit dem Eucharistischen Jesus, begleitet von Maria. Doch dies waren nicht meine einzigen Widerstände. In den nachfolgenden Tagen fragte einer der Franziskanerpater bei einer Konferenz, wer von den Anwesenden bereit wäre, sich als Sühneseele durch Maria für die Rettung der Welt zu opfern.

Als der Pater diese Frage stellte, wurde es in meinem Herzen unruhig. Ich wusste, dass diese Worte für mich bestimmt waren, wollte jedoch nichts davon wissen. Ich war noch nicht befreit genug, um die Stimme des Herrn anzunehmen. Doch von da an begann, von den Gebeten von Mutter Rosaria getragen, der vorbereitende Weg zu meiner Berufung.

Pater Slavko sagte oft: „Die Muttergottes ist nach Medjugorje gekommen, um uns daran zu erinnern, dass es Gott gibt, dass wir in seinen Augen wertvoll sind und dass er einen herrlichen Plan, ein Projekt mit uns allen hat“. Wir müssen dies täglich im Gebet entdecken, uns immer mehr zu ihm bekehren und zulassen, dass die Gnade die Hindernisse aus dem Weg räumt, die die Verwirklichung der göttlichen Pläne behindern.

Die Gottesmutter wusste, dass ich, nachdem ich vom ärgsten Bösen befreit worden war, es notwendig hatte, von jemandem geführt zu werden, um meinen neuen Lebensweg zu finden.

In der Folge lud mich Mutter Rosaria ein, sie eine Woche bei ihren Wallfahrten und Evangelisierungstätigkeiten zu begleiten. An ihrer Seite spürte ich, dass der Geist des Gebetes von Medjugorje auch in Italien intensiv gelebt wurde: lange Gebete, Anbetungen, Wallfahrten.

Dies alles brauchte meine Seele. Eines Tages entdeckte ich durch einen banalen Zufall im Haus von Mutter Rosaria einen meiner Schwachpunkte, an dem ich besonders arbeiten musste. Auf dem Küchentisch standen zwei Flaschen: eine Fanta- und eine Colaflasche. Mutter Rosaria fragte mich: „Was möchtest du? Fanta oder Cola?“ und ich entgegnete schüchtern: „Ist egal.“ Sie antwortete: „Nein, das ist eben nicht egal, du musst dich entscheiden!“ Ihre Worte waren eine Aufforderung an mich, mir des Bösen bewusst zu werden, das sich in meinem Verhalten und Taten verborgen hatte, die oft von zu großer Unsicherheit geprägt waren, um rechtschaffen und geradlinig zu sein.

Ich verstand, dass man aufrichtig und durchschaubar sein muss, um zu lieben, sonst ist das Verhalten nicht eindeutig und unsicher. 1993 verließ ich mein Zuhause, um in der kleinen Gruppe zu leben, die sich um Mutter Rosaria geschart hatte. Durch das Leben in der Gemeinschaft vollzog sich eine weitere Etappe in meiner Heilung und in meinem Wachstum; diese Erfahrung hat es mir ermöglicht, weitere finstere Ecken in meinem Herzen zu entdecken.

Mutter Rosaria meinte: „Du bist in einem Tunnel und brauchst jemanden, der dich herausführt, jemanden, dem du vertrauen kannst, von dem du dich an der Hand führen und dich leiten lässt, denn alleine schaffst du es nicht“. Ich spürte ihre Liebe zu mir.

Sie war es, die mir mit viel Geduld, Verständnis und Langmut ihre Liebe schenkte und mir half. Ich war noch sehr egoistisch, individualistisch, stolz, verschlossen und schwer zu führen; ich war es gewohnt, alleine zu leben.

Ich war zerbrechlich, aber wenn es darum ging, meine – oft falschen ‑ Sichtweisen und Interessen zu vertreten, dann wurde ich stark und glaubte, niemanden zu brauchen. In meiner inneren Armut wollte ich stets beweisen, selbstständig zu sein. Doch langsam, langsam habe ich den Reichtum und das Geschenk der Gemeinschaft entdeckt, die Notwendigkeit des Anderen. Ich habe gelernt, dass alles Gabe und nichts selbstverständlich ist oder als sicher vorausgesetzt werden kann. Es braucht die Mitmenschen, um die Liebe zu leben und in der Fülle der Liebe zu leben. Dank der Ausdauer von Mutter Rosaria in der Liebe habe ich die göttliche Liebe kennen gelernt, die sich in der Vergebung und kompletten Hingabe äußert.

Eines der ersten Lieder, das ich geschrieben habe, war „Madre del cielo“ (Mutter des Himmels). Ich schrieb es 1993 anlässlich eines Einkehrtages mit Mutter Rosaria in Medjugorje, um der Gottesmutter für all das zu danken, was sie für mich getan hatte. Für den Text dieses Liedes habe ich mich auf die Botschaften der Muttergottes berufen. In einer sagt sie nämlich, dass sie möchte, dass wir bereits hier auf der Erde glücklich sind, um es dann eines Tages auch mit ihr im Himmel zu sein.

Als ich das Lied sang, dachte ich oft, dass diese Worte nur für die anderen gelten, nicht jedoch für mich, da ich schwere und leidvolle Zeiten durchlebte, zumal der Herr mich in meinem Innersten ändern wollte.

Um zu verstehen, was die Gottesmuter sich für uns wünscht, habe ich viel Zeit in der Gemeinschaft verbringen müssen. Ich begriff schließlich, dass sie jene Freude meint, die Frucht von Opfern, Kreuz, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen ist. Genau das, was ich stets gemieden hatte. Doch wir alle wissen, dass man an die irdischen Freuden leicht und mühelos herankommt, während längerfristige Freuden mühsam und schwer erkämpft werden müssen, jedoch zu einer inneren Ausgewogenheit und Stabilität beitragen.

Das Schwierigste dabei ist der Kampf, um Gott und die Mitmenschen immer mehr zu lieben. Eine weitere Liedzeile lautet: „Befreie uns von allem, was uns hindert, mehr zu leben“. Diese Worte haben mich sehr getroffen, denn sie richten sich an all jene, die Sklaven von Idolen sind, Sklaven von sich selbst, Sklaven von den Machenschaften des Teufels, die einen verstricken, so wie das bei mir der Fall war, und das Herz des Menschen von der Liebe Jesu und der Wahrheit fernhalten.

All diese Menschen leiden sehr. Es sind jene, die unfähig sind zu lieben. Nur wer liebt, der lebt. Je mehr man liebt desto mehr lebt man. Jesus hat gesagt: „Ich bin gekommen, um das Leben in Fülle zu schenken“. Man liebt und verzeiht im Leben nie genug. Darin besteht die christliche Vollkommenheit. Die Liebe findet ihren höchsten Ausdruck in der selbstlosen und bedingungslosen Vergebung von Jesus, der am Kreuz gesagt hat: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Das ist die Lebenseinstellung, die ich in der Gemeinschaft gelernt habe. Die wahre Freiheit die die Gospa uns erlangen will ist diejenige die uns erlaubt unbedingt, ohne Voraussetzungen und Konditionen, zu lieben.

Auf Anraten von Mutter Rosaria ging ich wieder zur Schule. Ich besuchte das erste Jahr des klassischen Lyzeums, in dem ich auch meine italienischen Sprachkenntnisse aufbessern konnte, da ich ja deutscher Muttersprache bin. Es war ein furchtbares Jahr. So lernte ich Opfer zu bringen und standhaft zu sein. Dank der Unterstützung meines Umfeldes und des Gebetes habe ich es geschafft, das erste Jahr abzuschließen.

Inzwischen hatte sich der Gesundheitszustand meiner Mutter stark verschlechtert. Sie hat über 13 Jahre lang an Alzheimer gelitten und wurde von meinem Vater bis zu ihrem Ableben heroisch gepflegt. Dies war Grund genug, um wieder nach Bozen zurückzukehren. Dort beendete ich meine schulische Laufbahn, indem ich 4 Schuljahre in 2 Jahren an einem privaten Sprachenlyzeum absolvierte.

1996 kehrte ich schließlich definitiv in die Gemeinschaft zurück. Nach einem Jahr, das ich im Gebet im Haus der Gemeinschaft in Medjugorje verbrachte, schrieb ich mich an der theologischen Fakultät in Bologna ein und absolvierte zusammen mit Luigi, einem Mitbruder der Gemeinschaft, erfolgreich das Theologiestudium.

Während mindestens 10 Jahren hat mich die himmlische Mutter mit viel Geduld auf dem Weg begleitet, der für mich bestimmt ist.

Durch die Gemeinschaft hat sie mich die Beharrlichkeit gelehrt und vor allem, den Glauben zu leben und in der Reinheit des Glaubens zu leben ‑ wie sie es getan hat ‑ unerschütterlich im Glauben zu sein, zu lieben, zu verzeihen und das Abbild der unendlichen Barmherzigkeit Gottes zu sein.

Was sich zusammen mit Mutter Rosaria entwickelt hat, ist eine kleine Gebetsgemeinschaft mit dem Charisma der Sühne. Das hatte ich aus den prophetischen Worten jenes Paters viele Jahre vorher beim erwähnten Jugendfestival herausgehört. Wir selbst waren die ersten, die in den Genuss von Gnaden gekommen sind, ohne sie selbst gesucht oder verdient zu haben, sondern wir haben sie dank der Großzügigkeit und Aufopferung von anderen Brüdern und Schwestern erhalten.

Zusammen mit Maria, Mutter der Barmherzigkeit, wurden wird von einem Leben abberufen, das keinen Sinn mehr hatte und uns für immer in der Finsternis gelassen hätte. Nun opfern auch wir unser Leben und unsere Gebete auf, durch Maria und mit Ihr, für die anderen, damit viele die Liebe Gottes erfahren dürfen, die heilt und bekehrt.

Seit 1995 wirkt unsere Gemeinschaft in Medjugorje , wo sie sich am gemeinschaftlichen Gebetsprogramm beteiligt und in der Pfarrei das Gebet und die italienische Messe musikalisch begleitet.

Abschließend möchte ich der Heiligen Dreifaltigkeit für die Gabe von Medjugorje und Mariens, der Königin des Friedens, danken. Ich möchte jedoch auch all jenen danken, die an Medjugorje geglaubt, es unterstützt und gefördert haben, jenen, die für meine Bekehrung gelitten und gebetet haben und mich noch jetzt mit ihrer Liebe und ihren Opfern tragen. Ich bete, dass alle jungen Leute die Gnade haben, stets die Kraft zu finden, das Leben mutig zu meistern, denn es ist es wert, gelebt zu werden. Sie sollen glauben, dass keine Vergangenheit es der Liebe Gottes verwehren kann, große Heilige aus ihnen zu machen. Ich bete für die Jugendlichen, dass sie Menschen finden mögen, die im Glauben und in der Liebe standhaft sind, um sie auf dem rechten Weg zu begleiten: den Weg des Kreuzes, das zur Auferstehung und zur Freude des ewigen Lebens führt.